Iosif und Kyriakos von Bisericani



Gedächtnis: 1. Oktober
Die heiligen Iosif und Kyriakos von Bisericani gehören zu den großen Asketen des moldauischen Mönchtums. Obwohl sie zu verschiedenen Zeiten lebten, wurden sie durch das Kloster Bisericani, das Wirken an demselben geheiligten Ort und ihre gemeinsame Liebe zum hesychastischen Leben miteinander verbunden.
Der heilige Joseph (rumän. Iosif) wurde in einem Dorf im Gebiet von Neamț geboren. Schon in jungen Jahren verspürte er eine starke Neigung zum monastischen Leben und trat in das Kloster Bistrița ein. Dort empfing er die Mönchsweihe und erlernte von den erfahrenen Vätern das geistliche Leben, das Fasten und das unablässige Gebet. Da er jedoch nach größerer Einsamkeit verlangte, erbat er den Segen des Abtes und begab sich als Pilger nach Jerusalem, um das Grab des Herrn zu verehren. Anschließend zog er sich in die Wüste des Jordantales zurück, wo er zunächst allein in einer Höhle lebte und sich durch strenge Askese, Gebet und die geduldige Ertragung vieler Versuchungen auszeichnete. Mit der Zeit verbreitete sich der Ruf seines geheiligten Lebens, und siebzehn rumänische Einsiedler versammelten sich um ihn. Auf diese Weise entstand unter seiner Leitung die erste bekannte rumänisch-orthodoxe Mönchsgemeinschaft im Heiligen Land. Als arabische Einfälle die Heiligen Stätten erschütterten, kehrte er mit seinen Schülern in die Moldau zurück.
Zunächst fanden sie im Kloster Bistrița Aufnahme, ließen sich danach jedoch in der Einsamkeit des später sogenannten Berges der Bisericani nieder. Dort errichteten sie eine kleine Kirche zu Ehren der Verkündigung der Allheiligen Gottesgebärerin und bauten ringsum ihre Zellen. Für seine Gemeinschaft führte er die Ordnung des unablässigen Gottesdienstes nach dem Vorbild des Studionklosters in Konstantinopel ein. Die Mönche wechselten einander im Gebet ab, sodass die Verherrlichung Gottes in der Kirche und in den Zellen weder bei Tag noch bei Nacht unterbrochen wurde. Ihr Leben war von Fasten, Verbeugungen, Psalmengesang, Gehorsam und brüderlicher Liebe geprägt.
Als osmanische Streifscharen ihre Kirche niederbrannten, beschlossen die Mönche, den Ort zu verlassen und sich auf den Heiligen Berg Athos zu begeben. Der Überlieferung zufolge erschien ihnen unterwegs die Allheilige Gottesgebärerin in einer Eiche und fragte sie, wohin sie ziehen wollten. Als die Mönche antworteten, sie begäben sich in ihren Garten, auf den Heiligen Berg, sprach sie zu ihnen: „Kehrt zurück, denn auch hier ist mein Garten.“ Im Gehorsam gegenüber dieser Weisung kehrten sie um und setzten ihr asketisches Leben an diesem Ort fort. Zur Erinnerung an die Erscheinung brachten sie in der Eiche eine Ikone der Gottesgebärerin an.
Die Einsiedelei des heiligen Iosif erhielt später den Namen Bisericani, das heißt „die Frommen“ beziehungsweise „die Gotteshäuslichen“. Die dort lebenden Mönche waren für ihr tränenreiches Gebet bekannt, und zahlreiche Kranke sollen durch ihre Gebete und durch den Segen des heiligen Joseph Heilung empfangen haben. So wurde er zum ersten namentlich bekannten Einsiedler auf dem Berg der Bisericani und zum Gründer des gleichnamigen Klosters.
Etwa ein Jahrhundert später trat der heilige Kyriakos (rumän. Chiriac) in die Gemeinschaft von Bisericani ein. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts zählte das Kloster mehr als hundert Mönche und war zu einem bedeutenden Mittelpunkt des asketischen Lebens geworden. Kyriakos empfing dort die Mönchsweihe und übte sich von Jugend an in Demut, Geduld, freiwilliger Armut und vollkommenem Gehorsam. Von der Sehnsucht nach völliger Einsamkeit und unablässigem Gebet erfüllt, verließ er später die Klostergemeinschaft und zog sich in eine Höhle auf dem Berg des Simon nahe dem Fluss Bistrița zurück. Dort lebte er der Überlieferung zufolge sechzig Jahre lang in strengster Askese. Sommer und Winter ertrug er unbekleidet die Kälte, die Hitze und den Hunger und richtete seinen Geist unablässig auf Gott. In seiner Lebensweise suchte er besonders dem heiligen Onuphrios dem Großen und den Vätern der ägyptischen Wüste nachzueifern.
Metropolit Dosoftei von Moldau kannte den heiligen Kyriakos noch persönlich und bezeugte dessen außergewöhnliche Askese. Er berichtete, Kyriakos habe sechzig Jahre unbekleidet und in großer Entbehrung auf dem Berg gelebt. Nach dessen Entschlafung verehrte der Metropolit auch seine heiligen Reliquien.
Der heilige Kyriakos entschlief um das Jahr 1660 im Herrn. Seine Reliquien wurden zunächst in jener Höhle beigesetzt, in der er sein asketisches Leben geführt hatte. Später wurde dort eine kleine, ihm geweihte Kapelle eingerichtet. Während der wiederholten Unruhen, welche die Moldau heimsuchten, wurden Teile seiner Reliquien unter den Gläubigen verteilt, um sie vor Entweihung und Verlust zu bewahren.
Der Heilige Synod der Rumänischen Orthodoxen Kirche beschloss am 6. März 2008 die Aufnahme der beiden ehrwürdigen Väter in die Schar der Heiligen. Am 1. Oktober desselben Jahres wurde im Kloster Bisericani die feierliche Proklamation der Verherrlichung der beiden Heiligen vollzogen.
Gebete
Troparion (1. Ton)
Führer der Einsiedler, Beschützer der Bedürftigen und Tröster der Betrübten, heilige Väter Iosif und Kyriakos, ihr habt das feurige Gebet erlangt und seid zu erwählten Gefäßen des Heiligen Geistes geworden. Betet zu Gott, dass er unseren Seelen Frieden und große Barmherzigkeit gewähre!
weiteres Troparion (4. Ton)
Von eurer Jugend an habt ihr Gott geliebt, die Welt verlassen und euch in den Karpaten niedergelassen, um Ihm unablässig zu dienen. Durch eure asketischen Mühen habt ihr das feurige Gebet erlangt und seid zu auserwählten Gefäßen des Heiligen Geistes geworden, zu Führern der Einsiedler, Beschützern der Notleidenden und Tröstern der Betrübten. Bittet Christus, unseren Gott, dass unsere Seelen errettet werden.
Kondakion (1. Ton)
Das Gebet und die Stille liebend, die Askese und die Geduld umfassend, habt ihr durch die Mühen der Wüste die verderbenbringenden Leidenschaften ausgelöscht, ihr heiligen ehrwürdigen Väter Iosif und Kyriakos von Bisericani. Der eine wurde zum Licht der koinobitischen Gemeinschaft und zu einem kundigen Hirten, der andere aber erwies sich durch das erhabene Gebet als Leuchter des abendlosen Lichtes.
aus dem Rumänischen übersetzt